3 Arten von Stress: Anzeichen und Folgen

Stressbezogene Arbeitsprobleme stehen an zweiter Stelle bei den Ursachen für den Arbeitsausfall – gleich nach den Muskel-Skelett-Erkrankungen. Stress, Depression und Angst sind die häufigsten Gründe, die im Kontext von arbeitsbedingten Beschwerden genannt werden. 2 von 3 Deutschen sind im Job gestresst; die Psyche ist die Ursache Nr. 1 bei Berufsunfähigkeit – so lautet die beunruhigende Statistik. Doch was bedeutet der Begriff STRESS eigentlich?


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Resilienz ist die Fähigkeit, das eigene Energieniveau auch unter erhöhtem Druck halten und mit disruptiven Veränderungen (= Stress!) fertig werden zu können.

Bei der Forschung zu Resilienz bin ich auf eine interessante Tatsache gestoßen: Das Wort „Stress“ gibt es erst seit 1937. Wie man es davor genannt hat, weiß ich nicht, aber die heutige leistungsorientierte Welt mit ihren extrem hohen Anforderungen an die eigene Anpassungsfähigkeit ist ohne diesen Begriff nicht mehr vorstellbar.


Er beschreibt das Gefühl, überfordert oder nicht in der Lage zu sein, mit mentalem oder emotionalem Druck fertig zu werden. Oder nach Wikipedia:


Stress (englisch für ‚Druck, Anspannung‘) bezeichnet zum einen durch spezifische äußere Reize hervorgerufene psychische und physische Reaktionen bei Lebewesen, die zur Bewältigung besonderer Anforderungen befähigen, und zum anderen die dadurch entstehende körperliche und geistige Belastung.

An sich ist Stress eine natürliche Abwehr des Körpers gegen reale oder eingebildete Gefahren: FIGHT – FLEE – FREEZE lauten die Handlungsoptionen in Stresssituationen.


Doch egal wie intelligent unser Körper ist, er kann zwischen einer lebensbedrohlichen Situation und der Einbildung einer solchen nicht unterscheiden. Ob uns ein Bär angreift oder ein wichtiges Gespräch mit der Chefin ansteht – unser Körper reagiert in beiden Fällen gleich: Er überschüttet unser System mit Hormonen, um es darauf vorzubereiten, Gefahren zu vermeiden oder zu begegnen.


Es gibt 3 Hauptformen von Stress*:

Akut, Episodisch akut oder Chronisch.

* nach der Definition der American Psychological Association (APA)


  1. AKUTER STRESS Dieser Stress ist üblicherweise nicht von langer Dauer. Akuter Stress wird meistens durch reaktives Denken verursacht. Negative Gedanken überwiegen in Bezug auf eingetretene Ereignisse oder bevorstehende Situationen. Ein unerwarteter Anruf von der Chefetage in der Urlaubszeit könnte einen solchen Stress verursachen oder beispielsweise die bevorstehende Deadline. Anzeichen von akutem Stress können starke Emotionen, angespannte Muskeln, erhöhter Blutdruck, beschleunigte Atmung, verschwitzte Handflächen, Herzklopfen, Schwindel, Migräne, kalte Hände oder Füße, Kurzatmigkeit, Schlafprobleme und sogar Brustschmerzen sein. Folgen: Akuter Stress gehört zum Leben dazu und man kann (und sollte!) lernen, ihm positiv zu begegnen. Kommt er jedoch zu oft vor, wird es für unsere körperliche und geistige Fitness schnell gefährlich.

  2. EPISODISCH AKUTER STRESS Episodischer akuter Stress ist durch wiederkehrende, intensiv belastende Ereignisse gekennzeichnet. Extrem knappe Fristen bei der Arbeit und dauerhafter Druck, Pflege eines erkrankten Angehörigen – all das kann zu episodisch akutem Stress führen. Menschen, die das Gefühl haben, von einer Krise in die andere zu wechseln, haben es fast immer mit dieser Stressart zu tun: Sie übernehmen viele Aufgaben und können bei so viel Zeitaufwand meist nicht organisiert bleiben. Das kann nicht lange gut gehen. Anzeichen von episodisch akutem Stress ähneln denen von akutem Stress, belasten den Körper jedoch zusätzlich aufgrund ihrer erhöhten Häufigkeit. Manchmal akkumulieren sich die Symptome. Folgen: Mit der Zeit kann episodisch akuter Stress unsere soziales Leben sowie unser Arbeitsleben stark beeinträchtigen. Bei unzureichender Behandlung (Gegenmaßnahmen / Coping-Strategien / Resilienz-Training / Coaching) kann episodisch akuter Stress zu schweren Folgen wie Herzerkrankungen, Reizdarmsyndrom oder klinischer Depression führen.

  3. CHRONISCHER STRESS Die Art von Stress, der uns über die Jahre zermürbt. Dauerstress über einen längeren Zeitraum, so die APA. Chronischer Stress entsteht aus ernsthaften Lebensproblemen, die sich grundsätzlich unserer Kontrolle entziehen: Armut, Krieg, Gewalt und einiges mehr. Körperlich mit Waffengewalt konfrontiert zu sein, Kindheitstraumata zu erleben oder eine starke Diskriminierung erfahren zu haben, zum Beispiel im Rassismus-Kontext – all das kann dazu führen, dass wir das Leben als chronisch stressig empfinden, selbst wenn alles auf den ersten, oberflächlichen Blick, in Ordnung erscheint. Das besonders Schlimme und Gefährliche am chronischen Stress ist, dass sich manche Menschen daran gewöhnen. Anzeichen von chronischem Stress: man fühlt sich hoffnungslos, sieht keinen Ausweg aus der Ursache des Stresses und gibt die Suche nach Lösungen auf. Folgen: Bleibt chronischer Stress über einen längeren Zeitraum unbehandelt, kann er körperliche Gesundheit erheblich und oft irreversibel schädigen und die psychische Gesundheit dramatisch verschlechtern. In den schlimmsten Szenarien kann chronischer Stress zu einem körperlichen und geistigen Zusammenbruch führen, bis hin zu Selbstmord, gewalttätigen Handlungen, Tötungsdelikten oder Psychosen. Es ist wichtig, sich keine Vorwürfe zu machen – Schuldzuweisungen werden nur noch mehr Schaden anrichten. Menschen mit chronischem Stress benötigen eine sofortige und weitreichende medizinische sowie psychologische Behandlung.


Fazit:

Stress ist ein unvermeidlicher Teil unseres Lebens und obwohl nicht jeder Stress schlecht ist, ist zu viel davon natürlich ungesund. Es könnte hilfreich sein zu wissen, mit welcher Art von Stress wir es ggf. zu tun haben – damit wir besser damit umgehen bzw. dagegen vorgehen können.


Wie wir Stress vorbeugen, damit besser fertig werden und sukzessive eine stärkere Resilienz aufbauen, wird in meinen nächsten Blog-Beiträgen genauer betrachtet. Besonders spannend ist dabei der Zusammenhang zwischen Stressresistenz und Emotionaler Intelligenz.


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